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Weight Watching (Quelle: Der Trakehner 02/2008) - www.dertrakehner.de

 

Während es im ländlichen Raum in jedem Dorf noch eine solche Einrichtung gibt - meist verborgen, unter Umständen vergessen oder außer Funktion, erlebt sie unter Reitern und Züchtern eine begründete Renaissance: die Viehwaage kommt im Gewand der "Mobilen Pferdewaage" in die Ställe oder auf Veranstaltungen.

 

Das Gewicht seines Pferdes zu kennen, ist für Reiter und Züchter wichtig. Das Gewicht zu schätzen, ist für Ungeübte außerordentlich schwer und gerade im Winter kaschiert das Winterfell die wahre Statur.

 

Zunächst einmal basiert auf dem Körpergewicht der Energiebedarf des Pferdes und damit die tägliche Futterration und deren Aufteilung in Einzelportionen. Viele Faustregeln zur Pferdefütterung beziehen sich auf das Körpergewicht. So wird z. B. der tägliche Raufutterbedarf eines Pferdes angegeben mit mindestens 1 kg Heu/100 kg Körpergewicht. Die Kraftfuttermenge sollte pro Portion 0,5 kg/100 kg Körpergewicht nicht übersteigen, um den in Relation zur Gesamtkörpermasse kleinen Magen nicht zu überlasten. Ölzusätze verträgt der Verdauungstrakt des Pferdes täglich bis zu 1 g/kg Körpergewicht, allerdings darf pro Kraftfutterportion nicht mehr als ein Schnapsglas zugefügt werden, damit nicht mehr Fett aufgenommen wird, als im Dünndarm verdaut werden kann, da Fett, das in den Dickdarm gelangt, die Mikroflora schädigt.

 

Dosierungsangaben für Zusatzfuttermittel, Wurmkuren und Medikamente beziehen sich auf das Körpergewicht des Pferdes, Überdosierungen belasten den Organismus und den Geldbeutel, unterdosiert verfehlen die Präparate ihre Wirkung, schlimmstenfalls bilden die Zielorganismen Resistenzen. So kann der Pferdehalter z. B. beim Entwurmen guten Gewissens Geld sparen, wenn die Paste nach dem konkreten Gewicht gegeben und nicht pauschal mit einem Applikator pro Pferd angewendet wird. Kennt der Pferdehalter das Gewicht seines Pferdes, erleichtert er auch dem behandelnden Tierarzt die korrekte Dosierung von Medikamenten oder Sedativa und erspart seinem Pferd unnötige Nebenwirkungen.

 

Wer mit Pferden im Anhänger im Straßenverkehr unterwegs ist, unterliegt der Verantwortung, maximal zulässige Lasten einzuhalten. Während das Gewicht des Pferdeanhängers im dazugehörigen Fahrzeugbrief dokumentiert ist, können standardisierte Richtwerte für Pferdegewichte trügerische Sicherheit vorgaukeln. Zum einen gilt es, die im Fahrzeugbrief des Zugfahrzeugs angegebene zulässige Anhängelast einzuhalten, zum anderen darf der Anhänger selbst nur mit einer bestimmten Last beladen werden, die im Fahrzeugbrief des Anhängers angegeben ist. Zu diesem Zweck besteht auch die Möglichkeit, seine Pferde einzuladen und das komplette Gespann auf einer befahrbaren Waage z. B. eines Raiffeisenmarktes zu wiegen. Verstösse gegen die zulässigen Lastangaben werden als schwerwiegende Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern bis zu 200 Euro geahndet, kommt es mit dem übergewichtigen Gespann zu einem Unfall mit Beteiligung Dritter, erfüllt die billigende Inkaufnahme der Überladung unter Umständen sogar den Bestand einer Straftat, so dass die zuständige Haftpflichtversicherung die Regulierung des Schadens ablehnen kann.

 

Übergewicht bei Pferden führt zu einer erhöhten Belastung des Bewegungsapparates, zu Stoffwechselkrankheiten und bei Zuchtstuten zu abnehmender Fruchtbarkeit und Störungen im Geburtsverlauf. Besteht ohne größeren Aufwand die Möglichkeit, die Pferde regelmäßig, z. B. monatlich, zu wiegen, kann die Gewichtsentwicklung tragender Stuten hervorragend protokolliert werden, um durch angemessene Futterrationen sicherzustellen, daß die Stuten in der Niederträchtigkeit bis einschließlich des 7. Monats nicht übermäßig an Gewicht zunehmen. In der Hochträchtigkeit vom 8. bis 11. Monat steigt die Gewichtszunahme exponentiell an, so daß zum Zeitpunkt der Geburt die Stute ein um 18 % höheres Gewicht als im nicht-tragenden Zustand erreicht hat. Die Entwicklung des Fohlens macht davon ca. 10 % aus, der Rest der Gewichtszunahme entfällt auf Uterus, Fruchthülle, Fruchtwasser und Fettdepots.

 

Bei alten Pferden kann durch regelmäßiges Wiegen - gerade im Winterfell - sichergestellt werden, daß diese nicht unbemerkt an Gewicht verlieren.

 

Allerdings ist das Gewicht allein nicht geeignet, den Futterzustand eines Pferdes zu beurteilen, da es keinen Body Mass Index wie im menschlichen Bereich gibt, der das Körpergewicht in eine Beziehung zur Körpergröße setzt und in feste Kategorien einteilt. Hier ist der Einsatzbereich des Body Condition Score, eines Meßverfahrens, das verschiedene Partien des Pferdes nach ihrem Zustand beurteilt und für das Pferd einen Gesamtfutterzustand auswirft. Von einigen Anbietern wird das Wiegen und die Bestimmung des Body Condition Scores parallel angeboten.

 

Eine Pferdewaage muß so gebaut sein, dass die Pferde keine große Scheu vor dem Betreten entwickeln. Die Waagen sind niedrig konstruiert und mit einer rutschfesten und geräuschdämpfenden Auflage gesichert. Sie stehen ohne seitliche Begrenzung frei auf geradem, festen Untergrund. Die Messung muß schnell und präzise erfolgen. Dazu liegt eine Platte in sicheren Führungsschienen an den Ecken auf vier Meßpunkten auf, deren Daten über eine Software so kombiniert werden, dass ein Schwanken des Pferdekörpers die Genauigkeit des Messergebnisses von +/‑ 0,5 % nicht negativ beeinflusst und das Messergebnis über ein speziell geschütztes Kabel sofort auf ein Display oder Notebook übertragen wird, das in einem Abstand von ca. 3 – 5 m aufgebaut ist. Die geringe Höhe und das Eigengewicht sichern die Waage weitgehend gegen Kippen. Kanten müssen abgerundet sein und dürfen kein Verletzungsrisiko darstellen.

 

Die zu wiegenden Pferde sollten halfterführig sein, gehorsam ihrem Führer folgen und sich rangieren lassen. Bestehen hieran Zweifel, sind vor dem Wiegetermin Bodenarbeit und Unterordnungsübungen angesagt. Der Führer trägt Handschuhe und Sicherheitsschuhwerk.

 

Glück haben jene Pferdehalter, in deren Ort noch die alte Viehwaage in Betrieb ist oder die einen Saatguthändler oder den Raiffeisenmarkt mit einer Brückenwaage in ihrem Ort haben. Ansonsten wird das Wiegen von Pferden von Spezialunternehmen angeboten, die mit mobilen Geräten Veranstaltungen und größere Ställe bereisen. Die Kosten liegen zwischen zehn und dreißig Euro pro Wiegevorgang. Zusatzangebote und Beratungen sowie eine Bilddokumentation runden das Konzept ab. Wer sein Pferd wiegen lassen möchte, wende sich an benachbarte Reitvereine oder größere Pferdebetriebe, die regelmäßig Wiegetage organisieren. Wird der Pferdebesitzer dort nicht fündig, ist Eigeninitiative angesagt, indem man sich mit mehreren Wiegewilligen zusammenschließt und sich von entsprechenden Anbietern ein Angebot unterbreiten lässt. Benötigt wird lediglich eine feste, gerade Fläche, die aus Gründen der Wetterunabhängigkeit überdacht sein sollte. Ein Stromanschluß ist vorteilhaft, jedoch nicht Bedingung, die Waagen laufen problemlos batteriebetrieben, für zusätzliche Geräte, die mit 220 V betrieben werden, verfügen gute Anbieter oder wissenschaftliche Institute über ein leises, leistungsfähiges Notstromaggregat, das die Pferde nicht beunruhigt.

 

Wissenschaftliche Institute wie das Institut für Tierzucht am Fachbereich Agrarwissenschaften der Eliteuniversität Göttingen besitzen eigene mobile Waagen für den Einsatz bei wissenschaftlichen Untersuchungen. Für größere Pferdebetriebe lohnen sich die Investititionskosten dieser Anschaffung von ca. 2000 Euro unter Berücksichtigung der dargestellten Gründe für das Wiegen ebenfalls.